Prinzessin Käsefuß | Teil 1

Es war einmal eine Königstochter, die unter einem sehr delikaten Problem litt: sie hatte die schlimmsten Käsefüße im ganzen Königreich. Neben dem markanten Geruch schämte sie sich außerdem ihrer Optik: sie waren klein und recht knubbelig, von gelblicher Farbe und keinesfalls einer Prinzessin angemessen. Neidvoll blickte sie auf die grazilen Füße ihrer drei Schwestern: anmutig geschwungen, mit hohem Spann, schlanken Zehen und perfekt gepflegten, roten Nägeln waren sie eine wahre Augenweide und wurden bei jeder sich bietenden Gelegenheit in offenen Schühchen stolz präsentiert – während Prinzessin Käsefuß ihren Makel stets zu verbergen suchte. Etliches hatte sie schon versucht, um ihre Not zu beenden oder wenigstens zu lindern:
Der Hofmedikus braute ihr einen Sud aus Rosenblättern, kostbaren Zimtschoten und teurer Vanilleessenz, in dem sie ihre Füße täglich für eine volle Stunde badete. Doch der Effekt hielt jeweils nur wenige Minuten an, dann setzte sich der käsige Eigengeruch ihrer Knubbelfüßchen wieder durch. Die angebliche Hexe im Wald hatte sie ebenfalls um Hilfe ersucht, doch ein umständlich durchgeführtes Zauberritual mit viel geheimnisvollem Gemurmel erwies sich als wirkungsloser Glammer. In ihrer Verzweiflung wagte die Königstochter sich sogar zum Folterknecht und flehte ihn an, einige seiner Instrumente bei ihr anzulegen – wenn sie schon am Geruch ihrer Füße nichts ändern konnte, dann vielleicht wenigstens an der Optik! Doch der düstere Geselle weigerte sich, seine Streckbank und Daumenschrauben für eine Zehenverlängerung zur Verfügung zu stellen. Mutlos zog Prinzessin Käsefuß sich immer mehr zurück, bis eines Tages…
Fortsetzung folgt

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