Prinzessin Käsefuß | Teil 2

…bis eines Tages die Einladung zu einem Ball im benachbarten Königreich eintraf. Prinzessin Käsefuß wurde dessen erst gewahr, als das aufgeregte Geschnatter ihrer drei Schwestern, die ihre prächtigsten Kleider aus den Schränken holten und sich für das schönste Ensemble zu entscheiden versuchten, sie eines Morgens unsanft aus dem Schlaf riss. Für ihre wunderschönen, makellosen Füße hatten die drei bereits das passende Schuhwerk ausgewählt, das deren Anmut mit hohem Absatz und schlanken Spangen reizvoll betonte. Schon an diesem Abend sollte der Ball stattfinden und alle Ansätze der leidgeplagten Königstochter, sich dieser Verpflichtung zu entziehen, scheiterten. So wählte sie traurig und verdrossen ein einfaches blaues Kleid und dazu notgedrungen ihre feinen, silbernen Schuhe – der Versuch, diese durch kniehohe Fellstiefel, die ihrer Hoffnung nach kaum etwas vom Käseduft ihrer Füße nach außen dringen ließen, zu ersetzen, wurde von ihren Schwestern vereitelt. Schließlich sollte sie durch ein solch tölpelhaftes Auftreten kein schlechtes Licht auf die Familie werfen!
Der Ball wurde für Prinzessin Käsefuß zum beschämenden Desaster. Während ihre heiratswilligen Schwestern ausgelassen tanzten, hielt sie sich unauffällig in der dunklen Ecke neben dem Buffet auf und hoffte inständig, in der Nähe der dort befindliche Käseplatte werde der Geruch ihrer kleinen, in den silbernen Schuhen schwitzenden Füße nicht auffallen. Nach schier endlosen Stunden, als die Uhr gerade Mitternacht schlug, eilten ihre Schwestern herbei und zerrten sie zum Ausgang. Sie hätten längst wieder zuhause sein sollen und mussten sich nun sputen. Auf der Treppe vor dem Schloss, flankiert von den geübt auf ihren hohen Absätzen Hastenden, verlor die unbeholfen dahinstolpernde Prinzessin Käsefuß ihren linken Schuh…
Fortsetzung folgt

1 Comment

  1. Uhhh, ich glaube das wird mein Lieblingsmärchen 🙂
    Auch wenn mir gepflegte Füße, wie die deinen, liebe Alex, lieber sind, als Käsefüße, so liest sich diese Geschicht doch sehr träumerisch schön 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.